Geschichte der Lesezirkel
Die Idee des Lesezirkels entsprang der Situation des 17. Jahrhunderts: Bücher waren trotz Guttenbergs Erfindung noch rar und Zeitschriften im heutigen Sinne gab es nicht. Es kursierten handgeschriebene Journale und Berichte in ganz Europa, die das Informationsbedürfnis der Bevölkerung (insbesondere der städtischen) kaum befriedigen konnten. Die einzige vertriebsähnliche Struktur war durch die Post gegeben, und so waren es auch Postmeister, die das Lesegut orderten und als Privatverdienst vermieteten (erstmals urkundlich erwähnt in Kitzingen, Bayern, zwischen 1609 und 1611). Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatten dieses Monopol und die handgeschriebenen Zeitschriften Bestand. Mit der Entwicklung des Buchgewerbes wurden die Lesezirkel Nebenbetriebe von Buchhandlungen und Leihbibliotheken. Eigenständige Lesezirkel erlangten erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts größere Bedeutung. Ihre Entwicklung ist auch mit der frühen Sozialdemokratie verbunden, die so Bildung unter die Arbeiter tragen wollte. Während der Sozialistengesetze dienten diese Bildungsvereine z.T. als Tarnung. Der allgemeine Aufschwung der Lesezirkel setzte nach dem ersten Weltkrieg ein.
Nach zwischenzeitlichem Verbot durch die Nazis wurde die Bundesrepublik zur eigentlichen Heimstatt der Lesezirkel. Im immer dichter werdenden Blätterwald boten sie ideale Variante der umfassenden Information. Heute beinhaltet das Angebot bis zu 140 Titel. Dazu haben sich die Ausgabezeiten rapide verkürzt und überschreiten die Aktualitätsgrenze von vier Woche nicht mehr. Gegenwärtig nutzen rund elf Millionen Leser diesen Service, der von etwa 160 Dienstleistern (bundesweit und regional) betrieben wird.
